Die bionische Prothese sorgt für viel Lebensqualität: Sie stattet den Patienten mit einem Tastsinn aus, wie sie die eigene Gliedmaße hatte. Das Gehirn wird dadurch ausgetrickst: Es hält die Prothese für einen Teil des Körpers, wodurch Phantomschmerzen auf ein Minimum reduziert werden oder ganz wegbleiben – auch dann, wenn andere Therapien wie medikamentöse Behandlung und Physiotherapie fehlschlagen.
Die neuartige bionische Fuß- oder Beinprothese zum Beispiel besitzt eine Sensorsocke mit vier Sensoren als sensorisches Feedbacksystem, welche direkt in die Sohle der Prothese eingebaut und dann dort fest verankert wird. Von diesen Sensoren werden die Signale an die renovierte Haut am Amputationsstumpf transferiert, wo es zu Vibrationen kommt, sobald der Fuß auf dem Boden aufgesetzt wird. Es wird zuerst die Ferse und dann die Zehen aktiviert – was der Patient spüren kann. Dank der von Doz. Dr. Gardetto entwickelten Therapie müssen für diese authentische Sensibilisierung keine Fremdkörper an die Nerven oder Nervenenden implantiert werden: Alles ist allein durch das „Recycling“ des eigenen Nervs möglich.
Damit ein Patient mit dieser Prothese fühlt, bedarf es eines speziellen chirurgischen Eingriffs, bei welchem die Nerven richtig transferiert oder transplantiert werden müssen. Je nach Gliedmaße muss genau abgewogen werden, durch welche Nerven die sogenannte „authentische Sensibilität“ – also der realistische Tastsinn – am meisten abhängt. Beim Fuß ist es der sogenannte nervus uralis, welcher für das Gefühl am Fußrand, an der Achillessehne und Fußsohle verantwortlich ist. Der Nerv wird dann bereits bei der Amputation so präpariert, damit er dann so transferiert werden kann, um die sogenannte „gezielte Renovation“ zu ermöglichen.
Wichtig ist auch das Vermeiden von elektrisierenden Schmerzen an den Neuromen, welche an den verdickten Stellen der abgeschnittenen Nervenenden auftreten und akut einschießen. Sie werden als brennend, stechend und besonders belastend beschrieben. Diesen kann man entgegenwirken, indem ein kleines, ca. 3 cm großes Muskelstück wird um die Nervenenden herum gewickelt und dann vernäht wird. Nach dieser Behandlung ist der Patient bereit für die Prothese.
Es ist Geduld gefragt: Um taktile Empfindungen zurückzuerlangen, ist eine Therapie von ca. 5 Monaten bei Amputation des Unterarmes und 6–12 Monate bei Ober- und Unterschenkel zu erwarten. Man arbeitet nun intensiv daran, damit Patienten in Zukunft mit so einer Prothese auch zwischen kalt und warm unterscheiden können.